In der Persönlichkeitsarbeit, in Therapien und in spirituellen Strömungen begegnen uns verschiedenste Ansätze:
das Ego soll überwunden werden, um spirituell zu wachsen;
verwandelt werden – vom Herrscher zum Diener;
oder gestärkt werden, um ein stabiles „Ich“ zu entwickeln.
Doch egal, aus welchem Grund du dich mit dem Ego beschäftigst –
was würde sich verändern, wenn du es für einen Moment einmal aus einem anderen, ganz neuen Blickwinkel betrachtest?
Ich lade dich ein, für einen Augenblick innezuhalten und jene Seiten an dir, die du als störend, unangenehm oder hinderlich erlebst, nicht als Zeichen eines „schwachen“ oder „unvollkommenen“ Egos zu werten – sondern als Hinweise auf ein verletztes Ego.
Ein Ego, das nicht aus Überheblichkeit, Stolz oder Bosheit entstanden ist, sondern aus einer tiefen Verletzung.
Aus dieser Perspektive wird das Ego nicht zum Gegner, sondern zum Helfer – zu einem Teil von dir, der etwas mitteilen möchte: „Hier tut noch etwas weh.“
Oft übersehen wir, dass nicht nur die gesellschaftlich unerwünschten Eigenschaften aus einem verletzten Ego entstehen können, sondern auch viele der vermeintlich „positiven“.
Hilfsbereitschaft, Fleiß, Disziplin, Anpassungsfähigkeit, Perfektionismus, Stärke, Verantwortungsbewusstsein – all das kann Ausdruck eines inneren Anteils sein, der versucht:
- nicht zur Last zu fallen,
- Anerkennung zu sichern,
- Kontrolle zu behalten,
- Liebe und Zugehörigkeit zu verdienen,
- Kritik oder Ablehnung zu vermeiden.
Was nach Reife aussieht, entsteht innerlich oft aus Überlebensstrategien – aus Mustern, die einmal notwendig waren und so selbstverständlich wirken, dass sie lange unbewusst bleiben.
Wenn gute Eigenschaften zu Automatismen werden, die wir nicht mehr frei wählen, sondern aus denen wir heraus funktionieren, dann überdecken sie unser wahres Sein – leise, aber wirkungsvoll.
Jede Reaktion, die wir als „Ego“ abwerten, ist in Wahrheit ein Schutzmechanismus aus früheren Erfahrungen.
Das Ego versucht nicht, uns zu erhöhen oder zu sabotieren – es versucht, uns vor Schmerz zu bewahren, den wir damals nicht verkraften konnten.
Es reagiert nicht auf das Jetzt, sondern auf alte Bedrohungen, die für unser Nervensystem noch immer real wirken.
Wenn wir das Ego nicht länger als Gegner sehen, sondern als Beschützer, verschwindet automatisch die Härte aus unserem Umgang mit uns selbst.
Dann wird aus Kampf Beziehung.
Und aus Widerstand entsteht Raum.
Viele spirituelle und therapeutische Strömungen betonen, wie wichtig es sei, im Hier und Jetzt zu leben und Bewertungen loszulassen.
Gleichzeitig wird das Ego selbst bewertet – als etwas, das überwunden, losgelassen oder gestärkt werden soll.
Damit lehnen wir den gegenwärtigen Zustand automatisch innerlich ab und durch den Versuch, ein Ideal zu erreichen, entfernen wir uns genau von dem Hier und Jetzt, das wir eigentlich anstreben.
Das bedeutet nicht, dass wir aufhören sollen zu wachsen oder Verantwortung zu übernehmen.
Die entscheidende Frage lautet:
Was ist die Motivation hinter meinem Veränderungswunsch?
Ist es der Wunsch, endlich „richtig“ zu sein?
Endlich geliebt zu werden?
Endlich als spirituell zu gelten?
Sich diese Fragen ehrlich zu stellen, ist ein wesentlicher Teil des Weges.
Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen bedeutet für mich, bewusst auf das zu antworten, was sich im jeweiligen Moment zeigt.
Wenn das Jetzt Emotionen wie Abneigung, Angst, Neid oder Eifersucht mit sich bringt, dann ist es genau das, was jetzt da ist.
Wenn wir aufhören, das Ego als Störfaktor zu sehen, fällt eine Härte weg, die sich – meist unbewusst – gegen uns selbst richtet.
Den inneren Kampf gegen das Ego aufzugeben bedeutet, seine Impulse als Ausdruck des Moments anzuerkennen, ihnen mit Nachsicht und Achtsamkeit zu begegnen und zuzuhören:
Was möchte es uns sagen?
Von welchen unbewussten Anteilen erzählt es?
Wenn wir unsere Egoanteile in ihrer Funktion als Beschützer anerkennen und ihnen mit Offenheit begegnen, verlieren sie ihre Unsichtbarkeit.
Statt im Hintergrund wirken zu müssen, dürfen sie sich zeigen.
Indem wir ihnen Schritt für Schritt einen sicheren inneren Raum eröffnen, können sie aus dem Unbewussten in unser Bewusstsein treten –
und genau dort beginnt echte Veränderung.
Genau darin liegt das Geschenk unseres Egos:
Es schenkt uns die Möglichkeit, einen Raum für eine ehrliche, unmittelbare Begegnung mit uns selbst zu öffnen –
eine Pforte ins Hier und Jetzt.
Und aus dieser Präsenz heraus beginnt sich – wie von ganz alleine – tatsächlich alles zu verändern.
Gianna Marie Schneider
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Systemische Therapeutin
Klangtherapeutin
&
Tim Schneider
Leiter energetisches Familienstellen
Energetischer Berater
Klangtherapeut
Klecker Weg 4
21244 Buchholz i.d.N.
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